Der große Golf-Vergleich

Tests von Golfmitgliedschaften, Golf-Fernmitgliedschaft, Greenfee-Karten, Golfreisen...

Quo vadis Golfland Deutschland?

Quo vadis Golfland Deutschland?

Die deutsche Golf-Landschaft hat sich in den letzten Jahren sehr verändert: längst können sich deutsche Golfclubs nicht mehr nur alleine durch die Mitgliedsbeiträge ihrer Vollzahler finanzieren. Kaum Clubs können sich leisten auf Gastspieler, die Greenfee Einnahmen bringen, zu verzichten. Immer mehr Golfer entscheiden sich allerdings gegen eine feste Club Mitgliedschaft und damit gegen hohe fixe Jahresgebühren an den Club, da sich diese mit den persönlichen Gegebenheiten und individuellen Lebensphasen nicht vereinbaren lassen.

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Ein hohes Greenfeeaufkommen ist deshalb für viele Anlagen ein wesentlicher Wirtschafts- und Überlebensfaktor, wenn die Anzahl der Vollzahler sinkt, die pünktlich zum Jahresbeginn ihren Jahresbeitrag an den Club leisten, mit dem der Club solide das ganze Jahr wirtschaften kann. Es wird sogar mit diesen Greenfee Einnahmen im Jahresbudget kalkuliert. Allerdings sind die Einnahmen durch Greenfeespieler und Turniere ganzjährig schwer zu kalkulieren und stark von den Wetterverhältnissen der jeweiligen Saison abhängig. Die Golfbranche ähnelt in diesem Punkt eher dem Biergarten-Geschäft.

Was kann man tun und sind die Clubs zu einer anderen Herangehensweise bereit?

Klar ist, dass sich die Golfbranche für ein Umdenken bereit machen muss und neue Wege gehen sollte. Gerade in diesen momentanen Zeiten, in denen die in den 70igern und 80igern Jahren erbauten Clubs einer Renovierung bedürfen, wäre der Zeitpunkt ideal, die Konzepte ebenfalls zu überdenken und die Ausrichtung im Zuge der Überarbeitung umzugestalten.

Ein Golfclub muss mehr zu bieten haben als Rasen und Abschlagplätze, auf dessen Startzeit man im Zweifel sogar noch warten muss. Die Betreiber und Vereine müssen sich endlich als Teil der Freizeitbranche sehen und ihren Kunden das bieten, was sie suchen: nämlich Unterhaltung, Spaß, Freunde, Bewegung und SERVICE.

Und das nicht nur acht Monate pro Jahr, sondern ganzjährig. Warum nicht also die Driving Range zur (Indoor-)Veranstaltungslocation mit Theke, Flat Screens, tollem Licht und einer Couch-Area erweitern, die Range und die Übungsanlagen mit Flutlicht versehen und so Anziehungspunkt für die örtliche Jugend- oder Firmenkultur werden? Einen Treffpunkt schaffen, der lukrativ ist und neue Leute aus anderen Gründen als „ich wollte schon immer Golfer werden“ auf den Platz bekommen? Ganz nebenbei probiert man sich am Golfschwung und startet ein paar Tage später vielleicht mit einem Schnupperkurs oder sogar einem Platzreifekurs?

Klar, das sind Investitionen für einen Club, aber teilweise marode Clubhäuser und veraltete „Annehmlichkeiten“ bedürfen sowieso einer Investition. Langfristig scheint ein Umdenken einer der einzigen Wege zu sein, Neugolfer zu finden und Umsätze für die Clubs zu generieren. Auch Ansätze wie beispielsweise Fitness-Studios oder eine Sauna auf der Golfanlage einzurichten oder Teiche zu Badeseen umzugestalten finden wir fortschrittlich.

Der wirtschaftliche Erfolg der US-Firma Topgolf zeigt es: das Konzept schlägt ein. Dabei war die Grundidee in den 90er Jahren durchaus ungewöhnlich. Steve und Bruder Dave Jolliffe dachten über einen Weg nach, das bisweilen monotone Training auf der Driving Range kurzweiliger zu gestalten – und gleichzeitig effizienter. Im Jahr 2000 eröffnete die erste Topgolf-Anlage in Watford. Seither wächst das Unternehmen mit der Golf-Bowling-Idee rasant – finanzstarke Investoren (unter anderem Callaway Golf) stiegen ein und die Anzahl wuchs allein in den USA auf 23 Adressen. 2015 wurden auf allen 26 Anlagen weltweit von acht Millionen Besuchern 358 Millionen Bälle geschlagen. 2016 werden 13 Millionen Gäste erwartet – und fünf neue Anlagen gebaut. In Deutschland ist die Idee des Lounge Golf noch in der Startphase. Einige Anlagen, in den meisten Fällen Indoor-Anlagen, gibt es bereits: die Golf Lounge in Hamburg, in Berlin die Event Location Capitol Yard Golf Lounge, in Bottrop die Arena 79 und in Neu-Ulm die New Golf Lounge. Sie bieten Abschlagplätze mit Netz, Simulator-Golf auf den schönsten Plätzen der Welt sowie meistens auch Kurzspiel-Grüns aus Kunstrasen. Auch Golftrainer stehen bereit – alles in einem lockeren und legeren Ambiente. Viele haben sich auf Events spezialisiert. Firmen nutzen die Räumlichkeiten häufig für Weihnachtsfeiern, Tagungen oder Teambuilding-Events. Privatpersonen schätzen das Aktivprogramm für Kindergeburtstage oder sonstige Feiern. Das ist eine gute Möglichkeit, den Sport kennenzulernen und für sich zu entdecken. Vor allem für junge Leute, die dort erfahren, wie viel Spaß Golf eigentlich machen kann.

Heutzutage entscheidet man was Mitgliedschaftsmodelle angeht, eher kurzfristig und nicht wie früher a la "einmal Golfclub - immer Golfclub" mit hohen Einlagen „für´s Leben“. Faktoren wie der Erhalt der Flexibilität, Mobilität und ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis spielen eine Rolle bei der Wahl der Mitgliedschaft. Und Clubs können gerade was Clubleben und Feeling angeht, richtig punkten. Warum tun sie es nicht? Clubs, die nur EIN Modell der Mitgliedschaft anbieten und nicht auf die persönlichen Bedürfnisse der Kunden eingehen, werden es bald schwer haben. Die Clubs müssen einfach weiter an ihrer Positionierung und ihrem Produkt, dem Golfplatz, arbeiten und sich öffnen. Dazu gehört auch sicher die Schulung des Empfangspersonals auf Freundlichkeit, Stichwort “Willkommens- und Betreuungskultur“. Wem bei seinem Erstbesuch in einem Club eine muffige Angestellte mit mieser Laune begegnet, der wird sicher das letzte Mal dort gewesen sein. Da bringt auch leider keine große Werbekampagne des Verbandes etwas, wenn man im Club einfach nicht will.

Also liebe Golfclubs: Kopf frei machen und alte Konzepte einmal hinterfragen!

Daniel Baltzer
(selbstständig, Hcp 24) hätte sich an seinen ersten Tagen als Golfer eine Übersicht über günstige Einstiegsmöglichkeiten gewünscht. Da es so etwas nicht gab, gründete er 2007 den Golf-Vergleich.
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